Neujahrs-Seminar 2010

oder - der größte Gegner bist nach wie vor Du selbst
Unter diesem Motto stand das diesjährige Neujahrsseminar, doch davon ahnten wir am Freitag Abend noch nichts. Hochmotiviert und voller Tatendrang—die Weihnachtsferien waren einfach zu lang für unsere trainingssüchtigen Körper— standen wir im oberen Trainingsraum und harrten der Dinge die da kommen sollten. Und sie sollten kommen, das Stichwort hierfür lautete „ Hung Gar Work Out“ und Sifu verstand es vorzüglich seine Eleven wieder auf Spur zu bringen; sein stets maliziöses Grinsen verschärfte die Sache zusätzlich. Für Jammern und Nachdenken blieb keine Zeit, ein Konditionsfeuerwerk jagte das nächste und nach zwei Stunden waren wir endlich „aufgewärmt“. Dem Yin und Yang Prinzip folgend brachte Sifu uns mit Tai Chi wieder von unserem Adrenalinhöhenflug auf den Boden der Tatsachen zurück.

 

Den spürten wir dann am darauffolgenden Morgen ganz deutlich, denn jede einzelne Faser unserer Körper schrie und wehrte sich inständig gegen das Aufwärmtraining in Sifus Augartenstraßen-Purgatorium— ihr habt ja Recht, Schmerz ist Schwäche die den Körper verläßt, also weiter im Text. Formentraining war angesagt, jeder Schülergrad erhielt in der von ihm gewünschten Form seine Fehler und Schwächen aufgezeigt: Also Sifu wie Speedy Gonzales immer unterwegs zwischen den beiden Stockwerken—zum Teil wurde er an mehreren Stellen gleichzeitig gesichtet. Aber auch Simos heilige Halle—der dem Büro vorgelagerte Meditationsraum— blieb nicht verschont und mußte für Partnerformen herhalten (Ingo und Ich entgingen dem Schulausschluß wirklich nur ganz knapp, die Vitrine wackelte schon verdächtig...). Hier gab es von Simo auch stets warmen Tee und Gebäck, zwischen dem Training ein wahrer Quell der Labsal und Erholung.

 

Durch die tief verschneite Südstadt ging es mittags zum Wolfbräu, doch ständig schwebte über jedem das Damoklesschwert „Work Out“, mittlerweile zur handfesten Drohung avanciert. Doch zunächst standen Chi Na Techniken auf dem Lehrprogramm, wahrlich ein anspruchsvoller Teil unserer Hung Gar Ausbildung. Und dann, ihr könnt es euch denken, richtig, „work out“. Sifu waren mittlerweile kleine Hörner gewachsen, die Sache mit dem Pferdehuf konnte nicht verifiziert werden, er trug wie immer seine schwarzen Trainingsschuhe.

 

Der Sonntag brachte statt einer Matinee verschärftes Konditionstraining, was uns aber nichts mehr anhaben konnte. Über diese Grenze waren wir bereits hinaus und genossen die physische Pein in einer Art Trance. Diese Chance nutzend, aus der Schar harter Recken waren brave Lämmer geworden, nahm uns Simo bei der Hand und führte uns anhand einer Meditation tief in uns selbst zurück. Eine wahrlich gelungene Ergänzung zum Programm des Meisters, denn was keiner so richtig glauben konnte ist welche Energie in uns schlummert und daß wir diese bei uns und unseren Partnern auch bewußt wahrnehmen können.

Das waren insgesamt drei abwechslungsreiche Tage, die dich wieder ein Stück näher an deine Grenzen gebracht haben, sprich wo stehe ich konditionell, technisch und wieviel Freiraum gestehe ich meinem inneren Schweinehund zu. Der Zusammenhalt wurde gestärkt, ein Gedankenaustausch über alle Graduierungen stellte sich ein, neue Perspektiven eröffneten sich und alle vereint durch die Leidenschaft für Hung Gar Kung Fu.


Eigentlich beginnt das neue Jahr wirklich erst mit dem ersten Angruß vor dem Altar der Ahnen.
In diesem Sinne, vielen Dank an Simo und Sifu und allen ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2010.

Euer
Tobias Daniel S.

 

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